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Einsamkeit in der Führung: Verantwortung, die sich nicht teilen lässt

  • Autorenbild: Karin Sidler
    Karin Sidler
  • 9. Feb.
  • 2 Min. Lesezeit

Eine Szene

„Ich kann das niemandem wirklich erzählen."

Der Satz fällt leise. Nicht als Klage, eher als Feststellung. Gesagt von einer Person in Verantwortung, die über ausreichend Kontakte, ein funktionierendes Team und ein professionelles Umfeld verfügt – und dennoch etwas zurückhält.

Nicht, weil es niemanden gäbe.Sondern weil es etwas gibt, das sich nicht sinnvoll teilen lässt.

Einsamkeit in der Führung hat selten mit fehlenden Beziehungen zu tun.Sie entsteht dort, wo Verantwortung nicht teilbar ist.


Was für eine Einsamkeit ist das?

Wenn von Einsamkeit die Rede ist, denken wir meist an ein soziales Defizit: zu wenig Austausch, zu wenig Nähe, zu wenig Resonanz. Diese Form von Einsamkeit existiert – sie ist aber nicht das, was viele Führungskräfte erleben.


Die Einsamkeit, um die es hier geht, ist struktureller Natur. Sie entsteht aus der Logik von Verantwortung selbst.


Wer führt, trifft Entscheidungen,deren Konsequenzen andere betreffen – und für die man allein einstehen muss. Diese Einsamkeit sagt nichts über Beziehungsfähigkeit aus. Sie ist keine Schwäche.Sie ist eine Begleiterscheinung von Verantwortung.


Warum Teams und Gremien diese Einsamkeit nicht aufheben

Führung findet heute selten allein statt. Teams, Co-Leitungen, Gremien, Sparringspartner – all das reduziert operative Last und erweitert Perspektiven.


Und doch bleibt etwas übrig.


Nicht alles lässt sich im Team besprechen.

Nicht alles gehört in ein Gremium.

Nicht alles kann delegiert werden.


Manche Themen sind vertraulich, andere betreffen Personen im Raum selbst. Und manche Entscheidungen lassen sich zwar gemeinsam vorbereiten – aber nicht gemeinsam tragen.

Führungsteams reduzieren operative Einsamkeit.

Nicht die Einsamkeit der letzten Verantwortung.


Das Risiko falscher Deutung

Problematisch wird diese Einsamkeit dort, wo sie falsch verstanden wird.


Typische innere Reaktionen sind:

  • Ich bin zu wenig offen.

  • Ich sollte das teilen können.

  • So darf sich Verantwortung nicht anfühlen.


Die Folge kann Überanpassung sein: zu viel Offenheit dort, wo Zurückhaltung notwendig wäre. Oder Verhärtung: innerer Rückzug, Zynismus, funktionales Abarbeiten.

Beides ist kein Zeichen mangelnder Kompetenz – sondern Ausdruck einer ungelösten Spannung zwischen Rolle, Verantwortung und persönlichem Empfinden.


Was ein Denkraum hier leistet – und was nicht

Ein Denkraum ersetzt keine Freundschaft, keine Partnerschaft, keinen kollegialen Austausch. Er ist auch kein Ort, um Druck abzulassen oder Entlastung zu suchen.

Er leistet etwas anderes.


Er schafft einen Ort, an dem diese Einsamkeit gedacht werden darf – statt sie still mitzutragen.


In einem solchen Raum geht es nicht um Lösungen, sondern um Fragen wie:

  • Welche Verantwortung ist in meiner Rolle tatsächlich nicht teilbar?

  • Welche Last habe ich übernommen, die mir niemand übertragen hat?

  • Wo verwechsle ich Kontrolle mit Verantwortung?


Nicht jede Einsamkeit muss aufgelöst werden.

Aber jede sollte verstanden werden.


Ein sokratischer Moment

„Ich trage die Verantwortung für alle."

– Für alle – in welchem Sinn?

„Nun ja … am Ende liegt es bei mir."

– Was genau liegt bei Ihnen?

„Die Entscheidung – nicht alles, was daraus folgt."

– Und was davon haben Sie sich selbst aufgeladen?


In diesem Moment verschiebt sich etwas. Die Einsamkeit verliert ihre Unschärfe. Sie wird von einem dumpfen Gefühl zu einer bewussten Unterscheidung.


Fragen zum Weiterdenken


Vielleicht stellen sich auch bei Ihnen Fragen wie:

  • Wo ist Einsamkeit in Ihrer Verantwortung unvermeidbar – und wo ein Warnsignal?

  • Welche Verantwortung tragen Sie, die Ihnen niemand übertragen hat?

  • Was könnte sich verändern, wenn diese Fragen einen eigenen Denkraum bekämen?


Claritia ist ein solcher Denkraum für Menschen in Verantwortung.

 
 
 

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